Montag, Juli 31, 2006

Was zuviel Yoga bewirken kann...

Das müßt Ihr Euch mal ansehen! Ton an!

http://www.gougoule.com/bonus/yoga.php

Haha! :)

Freitag, Juli 28, 2006

Mein Kuhglocken-Projekt ist online ;)

So, nun ist die Seite online und ihr könnt mein mittlerweile 5-monatiges Projekt bestaunen. Auf Kommentare bin ich gespannt. Gerne dürft ihr auch ein paar Glocken bestellen...

Das ist die Adresse www.swiss-souvenir.ch
- im Vergleich dazu die alte Adresse www.sattlerei-meile.ch

Na, was sagt Ihr? Wie gesagt, ich habe das Projekt von Anfang bis Ende koordiniert und mich um Texte, Fotos und Design gekümmert. Und wie immer fehlen mir noch ein paar Daten von dem Inhaber, der jetzt aber im Urlaub ist. Nun ja. Ein bißchen bin ich ja noch hier um den Kleinkram auszubügeln...

Morgen gehts nun zum Skifahren. Genug Schnee ist da und es ist auch schweinekalt! Darum werdet ihr mich jetzt warscheinlich auch beneiden bei der Hitze in Deutschland, hihi.

Donnerstag, Juli 27, 2006

Was gibt es Neues?

Eigentlich nicht so wahnsinnig viel. Aber ich dachte mir, dass ich ja mal wieder einen Blog-Eintrag schreiben könnte. Es ist gerade halb sechs und ich warte, dass ich aus dem Büro verschwinden darf. Heute habe ich mich hauptsächlich um den Skiausflug am Samstag gekümmert. Linda kommt nun auch mit, muss allerdings selbst zahlen. Ist ja auch ok.

Seit Montag wohnt nun Tiina aus Finnland bei uns in der WG. Alana ist ganz happy, weil Tiina die Katzen so gerne mag und sich außerdem gut anzieht. (Das ist anscheinend das Allerwichtigste für sie... nun ja.)

Montag Abend waren wir bei meinem Tandem-Pablo zum Asado (=Grillen) eingeladen. Gegen 21.30 waren wir bei ihm, dann mussten wir noch Einkaufen, alles vorbereiten, den Grill anschmeissen und das Fleisch brauchte echt ewig, bis es einigermaßen essbar war. Ich war um halb zwei zu Hause- uff!

Gestern hab ich Ise zu einem Couscous-Gericht eingeladen. Habe Alana eingeladen auch mit zu essen, aber sie hat mal wieder krütscherweise alles aussortiert, bis auf den Couscous. Oh, man! Die mag keine Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Champignons usw. und kocht sich dauernd nur was mit Fertigpaketen aus den USA. Schrecklich!

Heute Abend bin ich beim Praktikum-Pablo eingeladen. Der kocht ja auch gerne und gut. Linda, Stefan, Shiven und Baptiste sind auch dabei. Vorher gehts aber wie jede Woche zum Yoga.

Seit Montag haben wir schlechtes Wetter hier. Regen und Kälte. Nachts gerade mal über Null Grad. Da ist die Wohnung doch nicht mehr so kuschelig... Heute schien aber wieder die Sonne und kaum hat der Regen aufgehört, ist der Smog auch schon wieder da. Nun sehen die ehemals weissen Anden kackbraun aus- wie hässlich!

Gestern war ich in einem Krankenhaus ganz in meiner Nähe, um eine Gelbfieberimpfung vornehmen zu lassen, die ich für meine Reise nach Bolivien brauche. Das war vielleicht ein Anblick: ein altes, heruntergekommenes Haus, es regnete hinein und es war eiskalt da drinnen. Die armen Kranken! Mir wurde gesagt, dass das ein öffentliches Krankenhaus ist und für die Leute ist, die keine private Krankenversicherung haben. Und das ist ein Krankenhaus in Chile! Wie sehen denn bitte die Krankenhäuser in Bolivien aus?!
Beruhigend: eine neue Nadel habe ich aber schon bekommen ;)

Nun werde ich gleich mal in einen Foto-Laden gehen und fragen, was es kostet von Digitalbildern Abzüge zu bestellen. Das ist hier bestimmt nicht billig. Aber es ist ein Geschenk für Alana, die nächste Woche Geburtstag hat. Kann man sich ja fast schon denken, wovon ich die Fotos für sie gemacht habe, oder? Miez, miez, miez...

Samstag, Juli 22, 2006

Ich liebe es mit Menschen anderer Kulturen zu sprechen

Am Donnerstag war ich nach dem Yoga (diesmal erstaunlich fit) mit meinem Mitpraktikanten Pablo, seinem indischen Freund Shivan und seiner peruanischen Freundin Michelle in der neuen Bar von meinem Tandem-Partner Pablo. Er arbeitet jetzt nicht mehr im Sudafricano (zuwenig Kohle und zuwenig los). Das war auch ganz nett da, es gab Elektro-Musik und ich hab mich ganz gut mit Shivan unterhalten. Er studiert jetzt IT-Science (hach, wie typisch! hihi) in Canada. Wir haben uns dann über die Kulturunterschiede und Bräuche in Indien, Deutschland und Chile unterhalten. Zum Bespiel hat er gesagt, dass es ihn unheimlich stört, dass er in Canada, bevor er Freunde besuchen will, anrufen muss. In Indien kommt man einfach vorbei. Außerdem vermisst er da gute Essen - in Canada gibt es wie auch in den USA viel Fast-Food. Als er nach einer Zeit das erste Mal seine Familie in Indien wieder besucht hat, hat in seine Familie fast nicht wiedererkannt, weil er so zugenommen hatte. (Ich fand ihn echt überhaupt nicht dick- wie muss er nur vorher ausgesehen haben?) Er war jedenfalls ganz überrascht, dass ich wusste, daß die "Nationaltracht" der Sari ist und dass ich schon einmal indisches Essen gegessen habe. (Tandoori usw.- das gibt es sogar in Husum ;) )
Für mich war es einfach nur extrem scharf - für ihn wäre es wohl supermild gewesen, denke ich.
Es war einfach super interessant gewesen. Einfach die Ansichten und Einstellungen einer anderen Kultur kennen zu lernen und darüber sprechen zu können.

Am Dienstag habe ich Tina unser freies Zimmer in der WG gezeigt. Sie kommt aus Finnland und wird jetzt hier ein Semester studieren gehen. Ich kenne sie, weil sie eine Freundin von Marlis Sohn Bernhard ist, der gerade in Europa auf reisen ist. Warscheinlich wird sie ab nächster Woche bei uns einziehen. Alana will sie natürlich noch vorher kennen lernen, daher kochen wir am Sonntag Abend zusammen.

Gestern Abend war Tina mit bei Rodrigo, Linda und Maxie und anschließend waren wir wieder bei einer Party (in der gleichen Wohnung, wie letzten Freitag).
Maxie hatte gestern leider ihren letzten Abend in Santiago. Die sehe ich dann wohl erst im nächsten Jahr im März in Deutschland wieder. Tja, so ist das Leben... schnief!

(Linda, ich, Maxie, Ise)

Participación Ciudadana

Am Mittwoch war ich mit Juan auf einer Bürgerversammlung in Cerro Navia. Ich war sehr überrascht wie geordnet das alles abgelaufen ist. Natürlich fing die Versammlung nicht wie angekündigt um 18h an, sondern erst um 19 h, aber der Rest war erstaunlich strukturiert. Als erstes hat die "Bürgermeisterin" den Bürgern mit Mikrophon Rede und Antwort gestanden. Die meisten waren ziemlich aufgebracht und haben versucht sich mit Handzeichen und "Senora, Senora!" auf sich aufmerksam zu machen.
Danach wurden Kommissionen gebildet. Jeder konnte sich zu einer Kommission dazugesellen, an dessen Thema er am Meisten interessiert war. Die Mütter haben sich beispielsweise alle der "Educación" (Ausbildung) angeschlossen. Außerdem gab es noch Gruppen, die sich mit folgenden Themen beschäftigt haben: Sicherheit, Stadtentwicklung, "Desarollo productivo" (Interessen der Mikrounternehmer), Gesundheit und soziale Entwicklung. Des weiteren gab es eine Gruppe bestehend aus Kindern, die auch ihre Wünsche für die Zukunft des Stadtteils zu Papier gebracht haben. In jeder Gruppe gab es nämlich eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, die alle Dinge notiert hat.

Während der Diskussion wurden Probleme erörtert und Lösungen erarbeitet. Dazu brachten einige Frauen dann einen Kaffee (natürlich stark gesüßt, so wie es die Chilenen lieben) und "Sopaipillas" (eine Art Brötchen, das fritiert und warm gegessen wird). Zum Schluß musste ein Kommissionsleiter bestimmt werden, der dann die Ergebnisse vor allen vorstellen musste.

Ich bin da natürlich ziemlich aufgefallen. Auch , weil ich mit meiner Riesen-Digitalkamera dauernd Fotos gemacht habe. Aber waren ja für die Zeitung...
Juan hat mich auch ganz stolz dauernd irgendwelchen Leuten als "Directora Honoraria" (Ehren-Gastautorin) des "Peon" vorgestellt. Er war der Kommissionsleiter unserer Gruppe und als er dann alle Teilnehmer unserer Gruppe vorgelesen hatte, mussten alle bei der Aussprache meines Nachnamens lachen - ist für die Chilenen auch echt nicht einfach ;)

Die Probleme in den Stadtviertel sind eigentlich die gleichen, wie in Problemvierteln der Städte in Deutschland. Es gibt viel Gewalt in den Familien, Drogenprobleme, die Polizei kümmert sich nicht genug um Ordnung (macht zu wenig Patrouillen) und es fehlt an Räumen für soziale Aktivitäten usw.

Speziell die Jugendlichen wünschen sich einen Ort, wo sie Musik mit ihren Bands machen können, mehr Sportangebote und Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Mütter haben sich beklagt, dass es nach der Schule zwischen 15.30 und 17h keine Beschäftigung für ihre Kinder gibt. Da einige berufstätig sind, hängen die Kinder dann auf der Straße herum und die Eltern machen sich Sorgen, dass die Kinder da schnell in die falschen Kreise gelangen können. Außerdem wünschen sich die Bewohner Cerro Navias Angebote im Bereich PC-Nachhilfe und eine Art "Volkshochschule" mit verschiedenen Kursangeboten. Die Kinder wünschen sich, daß die Bibliothek kostenlos besuchbar ist, daß sie die PC´s in der Schule frei benutzen dürfen und dass es in der Cafeteria Saft verkauft wird. (sehr niedlich)

Außerdem wollen sie mehr Lehrer, die effektiver arbeiten, ein Zentrum mit Beratungsangeboten bei Drogenproblemen und mehr Freizeitangebote für alle.
Sie sagen, dass die Jugendlichen sehr gerne etwas unternehmen möchten (Theater, Musik, Artistik) , anstatt auf der Straße abzuhängen, aber dass einfach ein Ort zum Treffen fehlt.

Es war jedenfalls sehr interessant zu sehen, wie so etwas abläuft und ich war echt über die große Beteiligung erstaunt. Da ist man von Deutschland echt anderes gewöhnt...

Dienstag, Juli 18, 2006

Investigativer Journalismus in Cerro Navia

Meinen Artikel für die Zeitung, die Juan zusammen mit zwei anderen Bewohnern Cerro Navias herausbringen möchte, habe ich ja schon auf dem Rückweg von La Serena verfasst. Am Montag hab ich ihn Juan gegeben. Das der so gut bei ihm ankommt, hätte ich nicht gedacht. Er hatte sogar ein bißchen feuchte Augen bekommen... - da hat sich das "Journalistische Schreiben" bei Bloomi ja ausgezahlt... ;)
Morgen gehe ich mit ihm dann zu einer Versammlung der Bewohner Cerro Navias. Dort wird über alle wichtige Themen und Probleme im Stadtteil diskutiert. Rosario, die andere "Zeitungsherausgeberin", wird dann, für ein paar Bewohner, sehr unangenehme Stories präsentieren.

Einige nutzen nämlich die für Notfälle (bspw. medizinische Versorgung für Krebserkrankte) zur Verfügung stehenden Geldmittel für sich aus. Sie gehen einfach zu einem der Mitarbeiter der Stadtverwaltung (ein guter Bekannter) und holen sich einen Scheck, mit dem sie sich dann Luxusdinge wie Schlankheitspillen, Parfum (ja, das gibt es hier in Apotheken) oder Ähnliches kaufen gehen. Da arbeiten beide Seiten wirklich sehr gut zusammen... - Korruption ahoi! Einige treiben es sogar soweit, dass sie mit den Schecks zu den armen Indios an den Fluß gehen und sich den Scheck dort von den Leuten, die weder lesen noch schreiben können, unterzeichnen lassen und dann schön einkaufen gehen... Das ist wirklich unglaublich!

Rosario hat ein wenig Bedenken, wie die Leute wohl reagieren werden. Sie ist ja keine professionelle Journalistin und fühlt sich daher ein bisschen unwohl bei der Sache, weil sie denkt, daß die Leute sie evtl. als Diebin bezeichen könnten (sie hat Kopien dieser Vorgänge unter der Hand von einem Apotheker bekommen...). Juan hat sie aber ein wenig beruhigt und meinte, dass die Leute sich wohl sehr aufregen werden - aber auf keinen Fall über sie!

Die Bewohner Cerro Navias wissen jedenfalls jetzt schon, dass es eine Zeitung geben wird. Das ist wie ein Dorf dort! Ein Nachbar hat nämlich gesehen, wie ich von Rosario und Juan ein Foto geschossen habe. Nun ist es das Thema Nr. 1 - aber umso besser!! So erwarten alle schon ganz sehnsüchtig die erste Ausgabe, die wohl am Samstag oder Sonntag herauskommen wird.

Jedenfalls bin ich echt gespannt, was auf der Versammlung morgen passieren wird.

Die Zeitung "El Peon" (Bedeutung: Bauer im Schachspiel; nähere Erklärung in einem der Blogeinträge vorher) soll jedenfalls eine Antwort auf die von der Stadtverwaltung herausgebrachte Zeitung "El Cerro" sein. Juan wartet extra mit der Herausgabe des Peon, um direkt auf einen beschönigenden Artikel des Cerro Kontra geben zu können. Sehr interessant!

Ihr werdet auf jeden Fall von mir auf dem Laufenden gehalten....

Montag, Juli 17, 2006

Arm und Reich

Am Samstag habe ich Juan in seinem Stadtteil "Cerro Navia" besucht.
Das ist eine "población" (ein Armutsviertel). Das hat mich echt nachdenklich gemacht...

Den Sonntag davor war ich ja mit Marlis in "Lo Barnechea"- dem reichsten Stadtviertel Santiagos. Die Unterschiede zwischen arm und reich sind echt krass:
Im reichen Viertel ist es totenstill. Es spielen keine Kinder auf der Strasse. Es ist niemand zu sehen. Nur Security-Autos fahren durch die Gegend. Die Häuser sind Paläste, geschützt mit riesigen Zäunen, die Bewohner haben mindestens zwei Autos und ihren eigenen Wachmann. Irgendwie fühlt man sich in dieser Wohngegend nicht wohl. Ein Leben in ständiger Angst und dazu noch einsam und isoliert von der Außenwelt...

In Cerro Navia ein ganz anderes Bild: kleine, heruntergekommene Häuser, riesige Löcher in den Straßen- aber es gibt dort Leben und Gemeinschaft!
Juan selbst wohnt im Hinterhof einer Familie in einem kleinen Verschlag. Für uns wäre das ein Fahrradschuppen! Er muss seine Wäsche mit der Hand waschen und teilt sich Küche und Bad mit einer Familie, die im Haus vor ihm wohnt. Als ich seine Behausung gesehen habe, konnte ich das gar nicht glauben, dass er da wirklich wohnt. Das war echt schlimm, er tat mir wirklich leid. Trotzdem macht er sich immer fein raus, trägt einen Anzug und einen Aktenkoffer, wenn er zur Arbeit geht.

Juan kommt aus Peru und hat seit 30 Jahren seine Familie nicht mehr gesehen. Ich schätze ihn so auf Mitte 40 oder 50. Früher hat er "ingeniera civil" (keine Ahnung, wie ich das übersetzen soll) und "Journalismus" studiert, konnte aber in beiden Berufen nicht lange arbeiten bzw. das Studium nicht abschließen.
Grund: seine politische Gesinnung passte nicht zu der von Pinochet's Regime. Er war zu dieser Zeit in der DDR im Exil und kann daher noch ein wenig Deutsch sprechen. Im Moment arbeitet er freiberuflich im Bereich von Druckereierzeugnissen. D.h. er hat eine Druckermaschine und stellt Drucke für T-Shirts usw. her. So habe ich das jedenfalls verstanden - das ist ja nicht immer so einfach.
Sein Ziel ist es im nächsten Jahr nach Deutschland zu reisen, um dort eine gute Druckermaschine zu kaufen. Ich habe mich auch gefragt: "Wie will der das bezahlen? Warum gerade in Deutschland?" Aber er hat mir gesagt: "Die deutschen Maschinen sind die Besten auf der Welt! Die halten ewig!" Und anscheinend hat er ziemlich viel Geld angespart, um diese Investition tätigen zu können. Naja, wenn man in so einer Hütte lebt, dann spart man auch Miete. (Klingt jetzt ziemlich sarkastisch, aber es ist ja so.)
Jedenfalls ist er echt ein kluger Kopf. Er liest gerne, spielt Schach und gibt Nachhilfe in Mathe. Da fragt man sich doch echt: Warum muss dieser Mensch dort leben? Das kann ich echt nicht verstehen.

Die Familie, die in dem Haus vor ihm wohnt, hat allerdings einen TV und einen DVD-Player. Das Wohnzimmer besteht jedoch nur aus alten, zusammengewürfelten Möbeln und es riecht feucht und muffig dort. Die Zimmer sind dunkel und um die Lichtschalter herum ist es schwarz vor Dreck. Merkwürdig. Warum haben alle "armen" Menschen immer den neuesten Stand der Technik? Das ist doch bei unseren Hartz IV- Empfängern auch so. Vielleicht fühlen sie sich, wenn sie diese Dinge haben, eher der Gesellschaft zugehörig- der Schicht, der sie eigentlich angehören möchten. Als ich der Frau von Lo Barnechea erzählt habe, konnte sie gar nicht verstehen, dass es mir da nicht gefallen hat. Sie sagt, sie träumt davon, eines Tages aus Cerro Navia verschwinden und da leben zu können.

Gestern hab ich ihn nach meiner Arbeit zu seiner Diplomübergabe begleitet. Er hat an einem Kurs der Uni für Mikrounternehmer teilgenommen "construyendo mis suenos" ("Konstruierung meiner Träume"). Dieser Kurs ist eine echt gute Sache. Er wurde von Studenten ins Leben gerufen. Die Teilnehmer müssen nichts bezahlen und bekommen von den Studenten und Professoren Background-Wissen im Bereich Rechnungswesen, Marketing und Geschäftsführung. Vier Monate lang einmal die Woche. Unter den Teilnehmern war auch eine blinde Frau aus Cerro Navia, die eine Massagepraxis aufgemacht hat. Sehr beeindruckend. Sie hat mir auch gleich ihre Visitenkarte gegeben und meinte, daß ich gerne zu ihr kommen kann, wenn ich gestresst bin. :)

Als ich am Montag bei der Arbeit erzählt habe, daß ich in Cerro Navia war, haben mich alle ganz erschrocken angesehen: "WO warst du?!?!" Um Gottes Willen! Peligroso! (Gefährlich!) - Ich bin da ja auch nicht alleine hingegangen- Juan hat mich ja von der Metro abgeholt und auch wieder hingebracht. Eigentlich hab ich mich da auch nicht unsicher gefühlt, muss ich sagen.

Sonntag, Juli 16, 2006

Wochenrückblick

Diese Woche war die Woche der "cenas" (Abendessen). Mittwoch war ich bei meinem Mitpraktikanten Pablo eingeladen, der für seine Mitbewohnerinnen und ihre Freundinnen gekocht hat und Donnerstag war ich bei Maxie eingeladen. Ihr Bruder Stefan ist jetzt in Santiago angekommen. Er wird hier auch ein Semester studieren.
Die beiden kommenden Freitage erwarten mich dagegen "despedidas" (Abschiedsfeiern"): Maxie geht für 3 Monate nach Brasilien, um da ein Praktikum zu machen und Keno fliegt nach Hause...

Die ganze letzte Woche konnte ich es kaum erwarten, dass mein Praktikum endlich aufhört. Ich war total ungeduldig und hätte am Liebsten die Zeit vorgedreht. Irgendwie hatte ich auch nicht viel zu tun bei der Arbeit und hab da eigentlich nur die Zeit abgesessen. Ätzend! Freitag sah es schon wieder anders aus. Ich hatte die Schnauze voll vom Rumsitzen und hab die zweite Chefin gefragt, ob ich nicht schon mit der Umsetzung des Kommunikations-Konzeptes beginnen könnte. Da haben wir uns am gleichen Nachmittag mit der Journalistin Paulina zusammengesetzt und ein Konzept zur Verbesserung der Firmenhomepage ausgedacht. Montag werden wir es dem Chef vorstellen.


Nach der Arbeit war ich noch kurz bei einem Mini-Tante-Emma-Laden bei mir um die Ecke und hab ein paar Kleinigkeiten eingekauft. Der Verkäufer war ein Opi und der war so nett und freundlich und zum Schluß sagte er: "Qué te vaya bien!" ("Laß es dir gut gehen!") - da hab ich echt gemerkt: das werde ich vermissen. Wann wird einem das bitte in Deutschland gesagt?! Alles Miesepeter! "Schönes Wochenende ist da schon das höchste der Gefühle!! Und ich werde es vermissen SPanisch zu sprechen. Hach, das gefällt mir so gut.

Obwohl ich hatte diese Woche echt ne Phase der Fragezeichen auf der Stirn. Ich hatte nun eine Rundmail an alle Mitarbeiter losgeschikt und zum Skiausflug eingeladen (Betriebsausflug) und da kam der Designer mit ner Fluppe im Mund an und meinte: "Hgdiwnmfdeucwoepxm ?!" Und ich dachte nur "???" Zweimal musste er seine Frage wiederholen und ich hab gedacht: "Was für eine Sprache ist das? Was will der von mir?" Echt schlimm. Aber der chilenische Slang ist echt krass.

Nach dem Yoga fühlte ich mich mal wieder total ausgelaugt und müde. Diesmal waren wir nur drei Schüler. Nach dem Unterricht meinte einer der anderen: "Meine Güte! Da war ja soviel Energie im Raum- das war ja unglaublich! Obwohl wir nur vier Leute waren." - Also ich hab ncihts gespürt. Das muss wohl alles meine Energie gewesen sein. Bin wohl eher ein Sender als ein Empfänger!

Die Woche davor war ich richtig krank mit Grippe. Fieber, Schüttelfrost und Husten inklusive. Vier Tage lag ich krank im Bett. Das hatte ich auch lange nicht mehr. Meine Mitbewohnerin Alana war dann einmal für mich einkaufen, mich versorgen musste ich aber dann doch selbst. Schnief! Wenn man krank ist, dann fehlt einem doch ein wenig das Zuhause- einer, der für einen eine Suppe kocht und so... Aber hab ich ja gut überstanden.

Freitag vor einer Woche haben wir Lenka und Karina verabschiedet. Die beiden hatten wir ja auf Chiloe kennen gelernt. Die beiden reisen jetzt hoch bis Ecuador. Hach wie schön! Haben uns für den Abschied im "El sofa" getroffen- eine richtig coole Kneipe mit Sofas, originellen Kunstwerken und Skulpturen usw. Das gefällt mir und das Gute: sie ist nur 10 Minuten von zu Hause entfernt! Haha!

Diesen Freitag waren wir bei der Geburstagsfeier von Flo (Mitbewohner von Tobias und Keno). Die Party war auch ganz in der Nähe von mir in einer supercoolen Wohnung! Der Blick war gigantisch: auf die ganzen beleuchteten Hochhäuser des Zentrums mit einer Terasse usw. Witzig war auch: wir hatten zuerst Happy Birthday auf Spanisch gesungen und dann folgten die Versionen in: Deutsch, Englisch, Dänisch, Holländisch, Griechisch, Portugiesisch und Französisch. Mehr Multi-Kulti geht nicht!

Montag, Juli 03, 2006

Wetterkapriolen in Smogtiago

Es gibt schöne und schlechte Seiten von Santiago. Der Smog ist eine der Schlechten... Im Winter gibt es hier kaum Winde, die den Dreck der ganzen Autos, Micros und Fabrikschlote wegblasen kann. Daher gibt es in der Stadt fast jeden Tag Umweltalarm. Es dürfen nur Autos mit bestimmten Kennzeichen fahren und ab- und zu, wenn es ganz schlimm kommt, dann werden die Fabriken für einen Tag stillgelegt. Die Regierung macht aber auch nicht wirklich was gegen braune Brühe... Jetzt sollen Bäume auf den Hochhausdächern gepflanzt werden. Juhu! Das bringt doch auch nichts... Jedenfalls gibt es in dieser Stadt die besten Spezialärzte in Sachen Lungenkrankheiten- kein Wunder!
Mich hat es auch erwischt. Aber nur mit ner kleinen Grippe. Aber ich führe das totzdem auf dem Smog zurück, denn ich esse doch immer so fleissig Kiwis und Mandarinen! Der Smog soll nämlich freie Radikale im Körper bilden, die dann das Immunsystem schwächen. Fotos: Condor.cl

Das Wetter ist hier sowieso sehr unnormal für diese Jahreszeit. Normalerweise soll es den Juli und August die ganze Zeit regnen- tut es aber überhaupt nicht. Es liegt kaum Schnee auf den Anden und die Skisaision hat eigentlich schon begonnen. Was soll ich Euch sagen: heute haben wir hier 23 Grad! Das ist doch mal ein angenehmer Winter - das einzige was stört ist, dass die Temperaturen nachts bis auf 3 Grad abkühlen. Da muss ich mich dann ins Bett packen oder meinen Heizlüfter in Gang bringen. Ich schlafe hier übrigens mit 4 Schichten von Decken!! Ein ordentliches Daunenfederbett kennen die hier nicht. Aber geht ja auch so...