Montag und Dienstag war ich vom Wochenende noch ziemlich alle. Daher war ich meist froh, wenn ich abends zu Hause relaxen konnte.
Mittwoch hab ich mich direkt nach der Arbeit mit Ise, Maxie, Ise´s Arbeitskollegen und Ise´s Bruder mit Freund getroffen um ins Museum zu gehen. In der Estacion Mapocho, einem alten Bahnhofsgebäude gibt es zur Zeit eine Ausstellung über die größten spanischen Maler: Miro, Goya und Picasso.
Ich bin eigentlich nur mitgegangen, weil die Freundin einer Arbeitskollegin von Ise uns eine Führung geben wollte. Als wir dann aber ankamen hieß es: "Wieso? Die ist schon weg!"
Da war ich echt enttäuscht! Aber das ist typisch chilenische Kultur. Man muss sich schnell damit abfinden, wenn sich die Gegebenheiten oder Pläne ändern. Die Ausstellung war trotzdem ganz gut. Besonders die Reihe "Los Caprichos" von Goya hat mir gut gefallen. Schade war nur, dass die Texte unter den Bildern alle auf Spanisch waren und da so viele Bilder hingen, so dass man gar nicht die Ruhe hatte, sich alles genau durchzulesen und zu verstehen. Das zweite Problem war nämlich auch noch, dass wir die Zeit im Nacken hatten! In einer Stunde schloss das Museum- gute Planung, echt!
Danach sind wir dann nach Bellavista und haben zwei Bars getestet. Der Pisco in der zweiten Bar war eindeutig besser und auch noch günstiger! Wir saßen dann wieder im Buena Vista Social Club und haben einem Gitarrenspieler gelauscht. Gegen 1h war ich aber echt müde und konnte die anderen ein Glück überzeugen auch nach Hause zu gehen. So konnten wir zusammen durch Bellavista zur Plaza Italia gehen und von dort aus ein Taxi nehmen.
Donnerstag Mittag hatte ich mich mit Janine zum Mittagessen im "La Tierra Media" verabredet. Sie wollte Juan mitbringen, den sie durch ihre Forschungen für ihre Masterarbeit kennen gelernt hat. Janine studiert nämlich Sozialgeografie und schreibt ihre Masterarbeit über die Immigration der peruanischen Kleinunternehmer nach Chile. Zur Zeit führt sie daher Fragebogenbefragungen mit vielen Peruanern durch.
Juan ist auch Peruaner, etwa 50 Jahre alt, schätze ich und arbeitet für die Stadtverwaltung (ich schätze er ist ein Straßenfeger?). Er verdient fast nichts und will immer sein letztes Hemd hergeben. Das ist echt schrecklich. Er wohnt im Randbezirk von Santiago in so einer Wellblechhütte. Janine war schon einmal mit bei ihm zu Hause und sie sagt, dass es echt heftig ist, wenn man das erste Mal so etwas sieht. Wenn ich dann an den naheneden Winter denke - oh je...
Janine hat sich jedenfalls schon oft mit ihm getroffen und er hat sie mit zum Mapuche-Fest genommen (wo sie einen Trunk aus Freundlichkeit trinken musste, der ihr einen Tag später verhalf mit einer Magenschleimhautentzündung ins Krankenhaus zu kommen...). Das Problem ist nur: er will ihr dauernd Geschenke machen. Mir hat er beispielsweise ein Rubbellos gegeben und meinte: "Du brauchst auch ein bißchen Glück!" Das Los hat 1000 Pesos gekosten- umgerechnet 1,50 Euro. Das ist für ihn wahnsinnig viel Geld. Wir können uns das kaum vorstellen.
Ich mochte es erst gar nicht annehmen. Erstmal, weil es teuer ist und dann weil ich nie und nimmer das Geld hätte haben wollen, wenn das Los einen Gewinn hätte- und Juan hätte den Gewinn garantiert nicht angenommen... schwierige Angelegenheit.
Nun hat er Janine gefragt, ob ich ihm nicht ein wenig Deutschunterricht geben könnte. Er war früher vor dem Mauerfall nämlich eine Weile in Berlin und möchte nächstes Jahr nochmal nach Deutschland reisen. Wie er das mit den Kosten macht, da hab ich echt keine Ahnung. Naja, hab ihn auch echt nur kurz gesehen. Aber morgen hat er uns eingeladen zu einem peruanischen Restaurant mitzukommen. Da findet wohl jeden Sonntag so eine Art Fiesta statt.
Jedenfalls war die Woche voller typischer Kulturunterschiede:
Juan hat sich mit Janine um 13h zum Mittagessen verabredt- er kam aber um 13.45h. Ich hatte mittlerweile schon mein Menu fast aufgegessen, weil ich ja nur eine Stunde Mittagspause habe.
Dann die Sache mit dem Museum. Ise´s Kommentar: "Ich bin ja schon einmal froh, dass die Planung schonmal soweit ging, dass wir einen Tag festgelegt haben und wir wirklich alle zu etwa derselben Zeit vor dem Museum standen- das innen dann noch etwas anders laufen könnte als geplant, daran hab ich echt gar nicht gedacht!!"